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Preisbildung durch Summe von Einzelfunktionalitäten?

Vor ein paar Tagen hatte ich schon mal einen Beitrag geschrieben, dass es ein sehr breites Spektrum an TYPO3-Sites gibt, welches von sehr unterschiedlichen Anwendern mit sehr unterschiedlichem Budget eingesetzt wird. In meinem heutigen Artikel möchte ich gerne an das Thema „Wieviel kostet eine TYPO3 Website?” anschließen. Häufig wird aus meiner Erfahrung davon ausgegangen, dass sich die Preise einer TYPO3-Website ausschließlich über die Features festlegen lassen. Doch macht das Sinn?

Feste Einsteigerpreise

Meiner Meinung nach ist es ein Irrglaube, dass sich der Preis einer Website ausschließlich über die Summe von Einzelfunktionalitäten kalkulieren ließe, die man in einer sogenannten Featureliste zusammenfassen könne. Dadurch besteht recht häufig selbst bei großen Projekten oder in der Zusammenarbeit mit erfahrenen Agenturen die Erwartungshaltung, dass TYPO3-Dienstleister in der Lage sein sollten Preise in etwa wie folgt anzubieten:

  • Einfache TYPO3-Website kostet bei uns 2500.- Euro
  • TYPO3-Website mit Logo-Entwicklung 2750.- Euro
  • TYPO3-Website mit Shop und Logo-Entwicklung 8300.- Euro
  • etc.

 

Zwar ist dies so und in ähnlicher Weise für Einsteigerlösungen durchaus möglich und auch netzrezepte.de bietet ein TYPO3 Einsteiger Bundle und ein TYPO3 Umsteiger Bundle zum Festpreis an. Solche TYPO3 zum Festpreis Angebote bieten auch tatsächlich einen sehr guten und kompakten Einstieg. Solche Preise lassen sich aber nicht auf jedes Szenario übertragen. Ein solches Paket kann nicht die Anforderung jeder Website abdecken.

Wieviel kostet ein Auto?

Um zu einer allgemeingültigeren Betrachtung zu kommen muss etwas weiter ausgeholt werden. TYPO3 selbst ist wie gemeinhin bekannt Open Source Software und somit kostenlos erhältlich. Für den Dienstleister selbst hängt der Preis den er verlangen muss letztlich in erster Linie vom Stundenaufwand ab und dieser ist vorab schwer zu schätzen. Der Stundenaufwand hängt wie gezeigt werden soll nicht nur von der Featureliste ab, doch ironischerweise fördern Dienstleister in Ihrem Bestreben sich nicht auf einen Festpreis fixieren zu lassen diese rein Feature gebundene Erwartungshaltung häufig sogar noch, indem Sie auf die Frage „Wieviel kostet eine TYPO3 Website?“ mit ausweichenden rhetorischen Fragen wie „Wieviel kostet ein Auto?“ kontern.

Klar Auto ist nicht gleich Auto und TYPO3-Website ist nicht gleich TYPO3 Website. Somit weist diese rhetorische Gegenfrage auch durchaus korrekterweise daraufhin, dass Ausstattung, Leistungsumfang und ähnliche Faktoren auch in anderen Branchen völlig verschiedene Preise rechtfertigen. Gleichzeitig verstärkt diese Frage aber sogar den unzulässigen Eindruck, dass sich Preise nicht nur „unter anderem“ sondern „ausschließlich“ über solche mehr oder weniger quantifizierbaren Faktoren festlegen ließen.

In der Konsequenz fixiert sich der interessierte Kunde also noch mehr genau wie beim Autokauf auf den Wunsch nach existierenden Preislisten und wir sind genau wieder zurück beim Ausgangsproblem und der Forderung auch für ein TYPO3-Projekt anzugeben wie viel man für welches Modell mit welchen Features bezahlen muss.

Zum Beispiel Logo-Erstellung

Natürlich: Feature-Umfang ist ein entscheidender Faktor bei der Preisfindung. Aber bei weitem nicht der Einzige. Ich möchte das anhand eines kleinen Beispiels illustrieren. Betrachten wir mal nicht die Erstellung einer ganzen Website sondern betrachten wir mal nur ein einzelnes Feature. Oben hatten wir das Beispiel „Was kostet eine TYPO3-Website ohne Logo-Erstellung?“ und „Was kostet eine TYPO3-Website mit Logo-Erstellung?“. Greifen wir uns nur mal dieses einzelne Feature „Logo-Erstellung“ heraus, so wird der hilflose Versuch deutlich, eine Unbekannte mit der Hilfe einer zweiten Unbekannten zu definieren. Denn bereits dieses einzelne scheinbar kleine Feature Logo-Erstellung kann vieles heißen:

  • Ein Freund von mir arbeitet als Manager bei einem Großunternehmen und war letztes Jahr als Koordinator für die Erstellung eines neues Logos durch eine Werbeagentur zuständig. Hierbei entstanden externe Kosten von gut 22.000 Euro, welche die Agentur in Rechnung stellte und zusätzlich weiterer Aufwand, der durch verlorene Arbeitszeit der Mitarbeiter entstand. Mein Freund geht hierbei mindestens nochmals von der gleichen Summe aus. Bis das Logo endgültig abgesegnet wurde waren mehrere Vorbesprechungen nötig, sowie eine Analyse der Corporate Identity und der Logos verschiedener Mitbewerber. Es musste diskutiert werden was das Unternehmen mit dem neuen Logo ausdrücken will. Es mussten mehrere Entwürfe angefertigt werden und es gab wiederum zahlreiche Treffen bis das Logo letztlich von allen Entscheidungsträgern abgesegnet werden konnte. Für jedes einzelne dieser Treffen mussten offizielle Präsentationen vorbereitet werden und jedesmal mussten mehrere Mitarbeiter des Auftraggebers und der Agentur anreisen.
  • Wem ein solcher Aufwand schwer vorstellbar scheint, dem sei noch das Beispiel der Logo-Entwicklung bei der Partei „den Grünen“ ans Herz gelegt. Hier fehlen mir zwar leider die Zahlen doch der Aufwand bei der Einführung dieses Logos ist auch für Außenstehende sehr detailliert nachzuvollziehen weil in diesem Zusammenhang ein solcher Streit ausgebrochen ist, dass die Logo-Diskussion in die Öffentlichkeit hinein getragen wurde. Wie beispielsweise Spiegel Online berichtete wurde sogar ein 37-Seitiger Leitfaden vertraulich versandt , der den Umgang mit dem neuen Logo erklären soll. Laut SPIEGEL ONLINE heißt es dort über das neue Logo dieses sei „aufgeräumt, dynamisch, individuell, natürlich, organisch, ausführlich”. Die Sonnenblume sei „durch die radikale Vereinfachung expressionistisch”, der blaue Balken „ein geschichtliches Fundament”. Das Hintergrund-Grün gebe dem Ganzen eine „gefühlte Tiefe”. Ich habe keine Ahnung wie so etwas in einer Partei finanziert wird. Aber dass solche Aufwände Kosten erzeugen ist glaube ich selbstverständlich.
  • Dem gegenüber stehen Schüler und Studenten die sich ein wenig das Taschengeld aufbessern wollen, indem sie für Vereine und kleinere Unternehmen Websites entwickeln. Für die Erstellung eines Logos wird dann manchmal lediglich ca. 50 Euro berechnet. Dabei wird dann der Name des Unternehmens in einem Grafikprogramm geschrieben, farblich an die Website angepasst und in drei Versionen mit drei verschiedenen exotischen Schrifttypen abgespeichert. Auch hier sucht sich der Kunde dann eines aus diesen Logos aus. Für das Logo der Pizzeria um die Ecke sieht das zumeist professionell genug aus und viele solcher Kunden sind damit vielleicht auf Anhieb zufrieden.

 

Das einzelne Feature „Logo“ haben wir jetzt in völlig verschiedenen Preisklassen betrachtet. Übrigens halte ich die unterschiedlichen Preise alle für völlig gerechtfertigt. Das Großunternehmen ist glücklich über das neue Logo und dass die Agentur in der Lage war alle Entscheidungsberechtigten zufrieden zu stellen und die Pizzeria ums Eck ist ebenfalls glücklich. Die Agentur aus erstem Beispiel ist glücklich dass das Projekt ein Erfolg war und der Agenturstundensatz bezahlt wurde. Und auch der Student ist glücklich, dass er für zwei Stunden Arbeit 50 Euro bekommen hat, die er am Wochenende in seiner bevorzugten Studentenkneipe ausgeben kann.

Preislisten für den Service-Bereich

Im Service-Bereich gibt es wie in allen Bereichen Produkte mit verschiedenen Merkmalen und selbstverständlich hat auch im Dienstleistungsbereich der Feature-Umfang einen Einfluß auf den Preis. Dennoch wird es im Service-Bereich nie einheitliche Preislisten allein nach Featureumfang geben können. Selbst Produkte mit ähnlicher Spezifikation können in verschiedenen Szenarien einen komplett verschiedenen Aufwand bedeuten. Das gibt es zwar auch bei Autos, weil auch hier Faktoren wie Markenname und Qualität eine Rolle spielen im Service-Sektor scheinen jedoch Faktoren jenseits der Summe der Einzelfunktionalitäten einen relativ gesehen deutlich höheren Einfluss auf den Preis zu haben.

In Teil 9 dieser Serie werde ich versuchen diese Problematik nochmals anhand statistischer Zahlen zu belegen. Vereinfacht können wir das aber für jetzt nochmals an obigem Beispiel nachvollziehen. Das Großunternehmen wird vielleicht für eine TYPO3-Website mit Logo-Entwicklung 450.000.- Euro ausgeben und für eine Website ohne Logo-Entwicklung 428.000 Euro. Die Pizzeria wird für die Website inklusive Logo-Entwicklung 1.200.- Euro ausgeben und für die Website ohne Logo-Entwicklung 1.150.- Euro. Das Großunternehmen liegt also in beiden Fällen im sechsstelligen Bereich, knapp unterhalb einer halben Million. Die Pizzeria liegt in beiden Fällen im dreistelligen Bereich, knapp oberhalb 1000.- Euro.

Spontan könnte man hier bereits den Schluss ziehen, dass die Unternehmensgröße des Auftraggebers hier das Preissegment der Lösung stärker beeinflusst als die Featureliste. In den nächsten Tagen werde ich in einem weiteren Post das Ganze nochmals etwas genauer betrachten. Denn wenn sich der Preis also nur sehr begrenzt über die Summe aller Einzelfunktionalitäten berechnen lässt, wovon hängt er dann ab?

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